"Ich bin ein Liberaler mit Hingabe"

Besart Vllahinja, neugewählter Direktor für Jugend und Kultur in Prishtina im Interview
Message24.08.2016Charles du Vinage
Besart Vllahinja
Besart Vllahinja

Besart Vllahinja
Besart Vllahinja, frischgebackener Direktor für Jugend und Kultur der Hauptstadt Prishtina ist ein zupackender Mensch. Für den 29-jährigen ausgebildeten Informatiker bedeutet dieses Amt einen Karrieresprung und die Möglichkeit, Politik für die jungen Menschen zu gestalten.

Kosovo ist das jüngste Land Europas. Und das ist wörtlich zu nehmen: 65 Prozent der Bevölkerung sind unter 25 Jahren. Für jede Regierung stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Die Jugendarbeitslosenquote liegt bei etwa 40 Prozent, Arbeitsmöglichkeiten im privaten Sektor sind rar. Denn nach wie vor ist der Kosovo isoliert, trotz der jüngsten Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio. Drei EU-Länder erkennen den Kosovo nicht an, weltweit sind es etwa 80 Staaten. Wer nicht ins Ausland geht, um dort eine Arbeit zu finden, hofft auf Jobs im öffentlichen Sektor. Nach jüngsten Schätzungen leben etwa 200.000 Kosovo-Albaner in Deutschland. Brennpunkt der jüngsten Auseinandersetzungen ist die Hauptstadt Prishtina, in der etwa 210.000 der 1,9 Millionen zählenden Bevölkerung des seit 2008 unabhängigen Landes leben. Hier regiert die nationalistische Partei Vetevendosje (Selbstbestimmung) seit Mitte des Jahres in einer Koalition mit der liberalen Partei Neue Kosovo Allianz (AKR). 

Was sind Ihre wesentlichen Prioritäten als neuer Direktor für Jugend und Kultur der Hauptstadt?

Meine Prioritäten als neuer Direktor liegen darin, die Projekte für Kultur, Jugend und Sport im Einklang mit den Interessen der Bürger Prishtinas zu entwickeln. Die Evaluierung der Projekte hat bereits begonnen, dort werde ich ansetzen. Denn es geht im Wesentlichen um die Umsetzung. Ich werde darüber hinaus mit den anderen Institutionen für Kultur, Jugend und Sport eine enge Zusammenarbeit anstreben. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Geld. So gehört es zu meinen Aufgaben, mich für höhere Budgets für Kultur und Sport einzusetzen. Alternativ halte ich Ausschau nach Sponsoren. Derzeit verzeichnen wir ein wachsendes Interesse an der Bewahrung des kulturellen Erbes in der Hauptstadt.

Sie sind der jüngste Direktor in der Stadtverwaltung. Was sollten Ihre Gegner über Sie wissen?

Ich bin ein Liberaler mit Hingabe. Ich mag mit einigen Menschen nicht einer Meinung sein, aber ich bin bereit an jedem Ort und zu jeder Zeit zuzuhören, was sei zu sagen haben.

AKR ist derzeit nicht im Parlament vertreten. Wie könnten Sie durch diese neue Aufgabe der Partei helfen, erneut dort einzuziehen?

Ich will hier festhalten, dass es für mich nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Mission ist. Da muss und wird es die klare Botschaft geben, dass Rechenschaftspflicht und Transparenz Ecksteine der AKR Politik und ihrer Mitglieder sind.

Vetevendosje, Ihr Koalitionspartner, hat einen schlechten Ruf in vielen westlichen Ländern – Deutschland inbegriffen. Wie können Sie sicherstellen, dass dieser schlechte Ruf nicht auch auf Sie zurückfällt?

Die AKR hat ein starkes Rückgrad als liberale Partei. Wir werden zu jedem Zeitpunkt verdeutlichen, dass Freiheit unser Ausweis ist. Wir werden sie bewahren, ohne Radikalität und andere gewaltsame Mittel, durch die sie beschädigt werden könnte.

Wie können Sie junge Menschen für liberale Ideen gewinnen?

Indem wir junge Leute dahingehend unterstützen, dass sie positiv und effektiv an unserer Gesellschaft teilhaben. Es geht darum, junge Menschen mit einer zweiten Bildungschance zu versorgen, sie dazu zu ermuntern, sich einzubringen und ihre generellen Chancen zu verbessern. Darüber hinaus wollen wir junge Führungskräfte in der Ausübung ihrer Aufgaben weiter unterstützen.

Charles du Vinage, Projektleiter der Stiftung für die Freiheit für den Westbalkan