Besuch in einem „unfertigen Land“ auf dem langen Weg nach Europa

News19.06.2019Michael Roick
 Auch im vielfältigen Europa ist Bosnien und Herzegowina ein ungewöhnliches Land, das sich als Staat von drei Nationen bzw. „konstitutiven Völkern“ definiert und dessen Staatsgebiet eine Republik und eine Föderation umfasst.

Auch im vielfältigen Europa ist Bosnien und Herzegowina ein ungewöhnliches Land, das sich als Staat von drei Nationen bzw. „konstitutiven Völkern“ definiert und dessen Staatsgebiet eine Republik und eine Föderation umfasst. Eine außergewöhnliche Konstruktion, die sich in erster Linie dem Friedensvertrag von Dayton (1995) verdankt, der dem ersten Krieg in Europa nach Auflösung des Ost-West-Konflikts mit über 100.000 Toten ein Ende setzte.

Dieser Krieg ist auch heute omnipräsent, die Interpretation der blutigen Geschehnisse von damals allerdings - je nach ethnonationaler Zuordnung - völlig unterschiedlich. Und die maßgeblichen politischen Akteure sorgen auf allen Seiten dafür, dass die jeweilige Deutung gewahrt bleibt.
Und somit ist auch das Regieren in diesem – wohl am besten als „Konkordanzdemokratie“ zu beschreibenden – Land alles andere als ein leichtes Unterfangen, da die Interessen der drei „konstitutiven Völker“ stets auf allen Ebenen zu beachten und zu wahren sind.

Auf der anderen Seite gibt es – trotz vieler Desillusionierungen in den zurückliegenden Jahren – eine vielgestaltige und wache Zivilgesellschaft, unterstützt von jüngeren Parteien, die den Blick nach vorne richtet auf ein sich einigendes – auf Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaat und Marktwirtschaft beruhendes - Europa.
Davon konnten sich jüngst zwei FDP-Bundestagsabgeordnete vor Ort in Sarajewo selbst überzeugen. In einem Interview am Ende ihres Besuchs schildern Thomas Hacker, Berichterstatter seiner Fraktion für den Westlichen Balkan und Konstantin Kuhle, Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union, ihre Eindrücke.